User Stories

Geschichte Nummer 6

Schwüle Sommer sind Sommer, an denen es mir immer richtig gut ging.
Schon in meiner Kindheit. Der Sommer war stets der Teil des Jahres, an dem ich draußen mit Freunden spielte oder baden ging. Im Meer oder in dem kleinen See, der unsere Insel zierte. Jetzt aber bin ich achtzehn Jahre alt, wusste, dass diese Zeiten vorbei sind. Denn jetzt stehe ich im Sägewerk, dass mein Vater betrieb. Er lehrte mich dieses Handwerk seit einem Jahr und ich glaube, ich kenne jetzt alle Holzsorten, wie man sie bearbeitet oder wo man sie findet. Dabei wollte ich immer ein glorreicher Entdecker werden, genau so wie Francesco Millsmith, der Mann, der unsere kleine Stadt Lehmbergen Anno 1602 gründete. Jetzt schreiben wir das Jahr 1701. Der Urenkel des Gründers, Matthias Millsmith, ist jetzt Bürgermeister. Ich bin mit dessen Sohn befreundet.
Marcello und ich waren schon lange Zeit die besten Freunde. Durch ihn kam ich an all die Sachen heran, die sein Ururgroßvater hinterließ.

Ich meine damit Kompass, Karte und vor allem sein Logbuch. Ich las es wohl schon über 100-mal durch, doch langweilig wurde es mir nie.

"15.04.1602 Unsere vom Sturm zerschlissenen Segel trugen uns bis an die Küste der Insel, die wir für ein Hirngespinst hielten. Wir stiegen von Bord und wir teilten uns in drei Gruppen auf: Ein Teil durchstreift grob die Insel, der andere Teil holt die noch essbare Nahrung vom Schiff und der letzte Teil fischt und jagt, sodass wir frische Nahrung haben..."

Ich kannte die Geschichte schon auswendig. Oft gehe ich zu der Küste, bei der Sie gelandet sind. Ich würde jetzt wieder gehen, aber ich musste meinem Vater helfen, ein besonders hartnäckiges Stämmchen einer britischen Eiche zu zersägen.

Am Abend ging ich früh in mein Bett. Durch das erfolgreiche Sägewerk verdienen wir viel mehr als kleinere Holzfällerhütten. Ich blickte aus dem Fenster auf die Küste. Plötzlich sah ich am Horizont fünf riesige Kriegsschiffe. Ich konnte sie nur erkennen, weil ihre Masten so hoch waren, dass sie sich perfekt vor der orangefarbenen Abendsonne abzeichneten. Sie waren schwarz wie die Nacht. Nach den ersten Kanonenschüssen, die unsere Hafenanlage trafen, brach eine enorme Panik in der Stadt aus. Es ging alles sehr schnell und bevor ich überhaupt richtig denken konnte, war ich an Bord des größten Handelsschiffes der Stadt. Neben mir standen meine Eltern, etwas weiter auch Marcello. Die Bevölkerung flüchtete von der Insel. Im ganzen Gemurmel und Geschrei reime ich mir einen "Angriff von del Torro"

Zusammen. Ein solcher Name war mir bis heute nicht bekannt.

Wir schippern schon drei Tage auf See, Eiserne Rationen in den Händen.
Lehmbergen ist weit von anderen Städten entfernt, weshalb wir auch nicht viel handelten. Unser Ziel war die nächstgelegene Großstadt Salzfels.
Ich war noch nie dort. Gerade setzte ich an eine Flasche Wasser an, als sie wir aus den Händen entfleuchte. Nicht ohne Grund, denn das ganze Schiff lag schief. Schuld war der gewaltige Wirbelsturm, wenige Kilometer von unserem Schiff entfernt. Er raste auf uns zu und wir waren sehr langsam. Das Glück war uns in den letzten Tagen ja nie gewogen, aber das war nicht möglich. Wir sahen unser nahendes Ende. Die Masten verschwanden als erstes, meine Mutter hielt mich fest. Wir wurden hochgezogen, höher, immer höher. Ich hatte das Gefühl, in der falschen Position würde ich auseinander gerissen. Ich würde mich um meine eigene Achse drehen und mir alle Knochen brechen. Doch bevor es soweit kommen konnte, riss der Sturm mich meiner Mutter aus den Händen.

Alles war schwarz. Die Nacht hätte sich geschämt im Angesicht der Finsternis vor mir. Ich sah alle die, die ich nie verlieren wollte.
Freunde, Verwandte, alle erschienen mir vor meinem inneren Auge. Ich musste husten... und wachte auf.

Ich wachte auf an einem weißen Strand. Vor mir eine wunderschöne grüne Insel. Ich redete mir ein, ich wäre tot, aber... es brachte nichts. Ich sammelte meine Gedanken und schaute mich um. Es war ein langer Strand, weiß und sandig, wie es auf unsrer Heimatinsel der Fall war. Ich stand auf und sah einhundert Meter weiter etwas liegen. Ich lief hin. Es war jemand aus meiner alten Heimatstadt! Der Verkäufer aus dem Käsestand.
Ich kannte ihn nicht gut, aber sein Gesicht ist mir bekannt. Ich suchte nach Lebenszeichen. Ich wollte aufschreien vor Glück, denn er atmete.
Ich brachte ihn in den Schatten der Bäume, die sich hundert Meter weiter im Inselinneren befanden.

Jetzt plagte mich der Hunger. Ich suchte im Wald nach Essbarem, wobei ich es auf Fleisch abgesehen habe. Leider fand ich nur einen Apfelbaum.
Dessen Früchte waren reif, aber auch nur etwas für den hohlen Zahn. Ich suchte auch nach Süßwasser, fand bei meiner Suche aber nichts. Mein Magen knurrte nicht mehr, aber von äpfeln wollte ich nicht leben. Ich lagerte zehn äpfel an den Baum neben dm Verkäufer und ging den Strand entlang.

Ich konnte niemanden mehr finden, hatte es eigentlich gehofft. Erschöpft setzte ich mich an einen Baum und schlief ein. Plötzlich wurde ich geweckt. Der Verkäufer, Hans Gordon, dankte mir zutiefst und versprach, mir zu helfen. Ausgeruht machten wir uns daran, fischen zu gehen. Wir zimmerten zwei kleine Boote und versuchten, Angeln herzustellen. Nach einem halben Tag arbeit waren wir aber schon wieder sehr erschöpft. Ohne das richtige Werkzeug ging es nicht weiter, deshalb bauten wir statt Booten große Flöße. Wir testeten sie aus.

Mein Floß kippte leicht nach links, was ich noch ausbessern wollte. Hans suchte nach Fischschwärmen, ich verbesserte mein Floß. Als ich mein Floß ins Wasser schieben wollte, paddelte Hans wild auf die Küste zu. Ich wusste nicht, ob er von einem Hai angegriffen wird oder ob er einen großen Fisch gefangen hatte. Er brachte etwas an Land, was ich nicht erwartet hatte: ein Mensch! Ein junger Mann, kaum älter als ich, aber ich kannte ihn nicht. Zum Glück lebte auch er. Wir legten ihn in den Schatten, versorgten ihn mit äpfeln und gingen wieder an die Arbeit.

Er wachte lange Zeit nicht auf. Ich fischte, und Hans sammelte Baumaterial. Wir brauchten Holz, um Herbergen zu errichten. Vor unserer Küste tummelten sich große Fischschwärme, was meinen Jagderfolg erleichterte. Mit dutzenden von Fischen fuhr ich zurück. Inzwischen wachte auch der junge Mann auf. Er kam nicht aus unserer Stadt, sprach aber unsere Sprache und erzählte, ein Kreuzfahrtschiff sei gesunken, er wäre der einzige überlebende.

Sein Name war Matthias Ast und er half uns bei allem, was wir tun mussten. Wir jagten, fischten, bauten kleine Unterkünfte und züchteten auch Schafe. Wir fanden einige Wildexemplare hier auf der Insel. Uns ging es richtig gut, aber es war natürlich kein Wohlstand.

Eines Tages bauten wir ein Kontor. Eigentlich eher reiner Tatendrang, einfacher Zeitvertreib.

Unerwartet kam ein Schiff zu uns. Es gehörte einem freien Händler, der in dieser Inselwelt handelt. Diese Insel gehörte jetzt offiziell uns.
Der Händler brachte uns in unsere Stadt Lehmbergen, die aber
völlig zerstört war. Die Menschen, unsere Familien wussten
keinen Ausweg. Die gesamte Insel brannte und jetzt ist sie unfruchtbar geworden.

"25.08.1704 -- Die Insel, auf der ich gestrandet war, wird nun von
einigen Aristokraten bewohnt. Ich habe eine hohe Position hier. Mein Traum
erfüllte sich auf eine Art und Weise wie ich sie nie für
möglich gehalten hätte. Schließlich suchte ich nicht
die Insel aus, sondern die Insel mich. Meinen Vater habe ich noch
immer nicht gefunden, es gab viele Verluste. Dennoch blicken wir
in eine goldene Zukunft in unserem großen Ort --Vaterstadt-"

Autor: Marcel W.

Zurück zur Übersicht >>

               

© ┬ę 2015 Ubisoft Entertainment. All Rights Reserved. Anno 2205, Ubisoft and the Ubisoft logo are trademarks of Ubisoft Entertainment in the US and/or other countries.
Anno, Blue Byte and the Blue Byte logo are trademarks of Ubisoft GmbH in the US and/or other countries.
Datenschutz | Nutzungsbedingungen | Impressum | Kontakt | Jobs | Presse | Händler | Support | Über Ubisoft