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Geschichte Nummer 1

Prolog

"Beste Qualität zu kleinsten Preisen!", rief einer der Marktschreier. Sofort versammelte sich eine Menschenschlange um den Stand, auf dem es goldene Ketten, silberne Ringe, seidene Kleider und vieles mehr zu kaufen gab. "Dieses purpurne Kleid ist genau das richtige, wenn ich morgen mit meinem Mann in die Oper gehen will. Vielleicht noch diesen goldverzierten Armreif dazu?", fragte Lady Lisa, die Frau des Gouverneurs Winfried von Schallert. "Och, du könntest doch auch noch dieses Ringetui für 975 Taler und das grüne Tuch für schlappe 1.637 Taler kaufen", scherzte ihre Freundin Gracey.
Nach und nach löste sich die Schlange auf. Die Dämmerung brach über Goldfurt und die riesige Aristokratenstadt herein. Die Verkäufer schlossen ihre Stände und machten sich wie die Einwohner auf den Weg nach Hause. In jeder Gasse war das Klappern von Geschirr zu hören, Katzen streunten durch die Straßen und Kerzen wurden an jedem Fenster entzündet. Vor dem Kontor an der Küste der Insel wurden die Schiffe vertäut und letzte Fässer von ihnen geladen.
"Es muss für den lieben Gott schön mit anzusehen sein, wie unser Städtchen in der Abenddämmerung da liegt, mit der gerade zu seiner Ehren fertiggestellten Kirche!", schwärmte Lisa für die Bauten in der Stadt. "Jaja, sie hat aber auch genug Geld gekostet, so was muss er einfach schön finden", antwortete ihr Gemahl. Sie wohnten in dem Schloss auf der Südseite der Insel, welches sie in mühevoller Arbeit errichten ließen. Der Hof war mit asiatischen Plätzen gefliest und wurde von einer Rosenhecke gesäumt, welche über dem Weg ein Tor bildete. "Na dann, schlaf schön, mein wertes Fräulein!" Der Herr der Insel und seine
Frau deckten sich zu und schlossen die Augen. Sie wurden von dem leisen Plätschern des Springbrunnens in den Schlaf begleitet. Im Traum war Winfried schon wieder bei den in ferner Zukunft liegenden Ausbauten seines Schlosses.

"Oh nein!" Das war das erste, was Gracey nach dem Aufwachen auf der kleinen Rinderfarm ihres Mannes hörte. Schnell wusch sie sich und zog sich an. Danach rannte sie eilig die alte, morsche Treppe herunter in die Küche, aus der der Ruf kam. Ihr Ehemann stand vor dem Fenster und sah zu, wie auf der Farm seines Nachbarn gerade drei Kühe kalbten. "Was ist denn passiert?", erkundigte sie sich. "Unser Konkurrent hat schon wieder drei neue Kälber bekommen. Und vor ein paar Minuten hat deren Stallbursche eine Hand voll Ochsen zur Fleischerei gebracht", erklärte der Mann. "Und wir? Wann können wir wieder Rinder zum Schlachthof bringen?" "In frühestens einem Monat. Bis dahin sind wir allerdings pleite!
Unsere Kühe sind zum Großteil zu jung um geschlachtet zu werden und der Rest muss noch kalben. Aber ich bin nicht reich und die Mieten und Preise für Nahrung werden auch nicht billiger."
Es war nämlich so, dass die Familie von Gracey, die Cornwalls, nicht reich wurde mit ihrer Rinderfarm. Winfried von Schallert hatte verkündet, das Fleischereien zur besseren Produktion immer von zwei Farmen beliefert werden sollen. Doch die Scavenger-Familie war vor einem Monat nach Goldfurt gekommen, aus Europa. Von dort brachten sie auch die besten Kühe und Ochsen mit, die die Insel je gesehen hatte. Und ausgerechnet sie mussten die Cornwalls, welche eh schon einen schwachen Betrieb hatten, als Nachbarn bekommen. So war Konkurrenz natürlich vorprogrammiert.
"Und der Herr der Insel kann uns nicht unterstützen?", fragte Gracey nach. "Der?", bekam sie zur Antwort, "Der ist doch froh, wenn genug Geld von den ganzen unnützen "Prachtbauten" übrig bleibt, welches er sofort wieder in sein noch überflüssigeres Schloss steckt. Und außerdem, warum sollte er sich mit uns armen Bauern abgeben?" "Ich bin mit seiner Frau seit Jahren befreundet. Vielleicht kann sie uns ja helfen.", meinte Gracey. "Du kannst es versuchen, aber ich erwarte nicht, dass Lisa ihren Mann wird umstimmen können. Aber, fragen kostet nichts."

Am nächsten Tag spazierte Lady Lisa neben ihrem Mann über das Stadtzentrum. "Also, die Oper gestern Abend, das war ja wohl so ziemlich das kreischendste, was ich je gehört habe.", meinte Winfried, der von dem Gesang überhaupt nicht begeistert war. "Du hast ja gar nicht richtig zugehört. Denk doch einmal an etwas anderes als dein Schloss. überleg noch einmal, wie sehr du dich früher im Theater immer amüsiert hast." "Damals wusste ich ja auch noch nicht, wie toll sie da drüben auf Francois Batailles Insel spielen können. Mein Gott, das war überwältigend! Und einen Tabak hatte der... vorzüglich!" "Lord von Schallert! Lord von
Schallert! Ein großes Schiff hat im Hafen angelegt! Der Kapitän will vom Süden er kommen. Er will Euch unbedingt sprechen!" Der Junge, der angerannt kam, übergab dem Inselherrn einen Brief mit einem purpurroten Siegel. Auf diesem war eine Tabakpfeife, ein Schiff und ein Kontor abgebildet. In der Mitte prangte der verschnörkelte Schriftzug "Bataille". "Oh, ich komme sofort." Und schon war der Mann weg.
"Wunderschönen guten Morgen, Lisa!", grüßte Gracey ihre Freundin. "Ah, guten Morgen, Gracey. Wie geht es dir?", erkundigte sie sich. "Mir eigentlich ganz gut, aber mein Mann und unsere Farm, oje! Wir sind fast pleite, und unsere Kühe und Ochsen können noch nicht geschlachtet werden, weil sie noch zu jung sind. Unsere neuen Nachbarn, diese Europäer, haben ja ein unverschämtes Glück! Sie..." "Die haben kein Glück.", unterbrach sie ihre Freundin, "überhaupt nicht! Mein Mann greift ihnen finanziell unter die Arme, weil sie hohe Steuern zahlen können! Mit Glück oder gar Können hat das nichts zu tun." "Aber was sollen wir denn dann machen? Gegen so etwas kommen wir nicht an. Wir werden ruiniert sein!" Gracey hatte alle Hoffnung fahren lassen. "Ich lade dich jetzt erst mal ins Wirtshaus ein. Dort können wir weitersprechen. Und ich werden Winfried zur Rede stellen!"

Als die beiden die Schenke wieder verließen, war es bereits dunkel. Ein Nachtwächter ging auf der anderen Seite der Stadt seiner Wege, und selbst in den Häusern waren alle Kerzen erloschen. Zwei Straßen weiter beschimpften sich ein paar Betrunkene, um kurze Zeit später Arm in Arm weiterzutorkeln. Gracey verabschiedete sich auf halbem Wege und Lisa ging allein den Weg zum Schloss hoch. Drinnen erwartete sie ihr Mann bereits.
"Und? Was hast du heute wieder gekauft?", fragte sie völlig emotionslos. "Drei Fässer feinsten Tabak, fünf Kisten Rinderfleisch und eine Schachtel Pralinen! Willst du einmal probieren? "Nein, danke."
Wenig später lagen die beiden nebeneinander im Bett. Dann redete Lisa ihrem Mann ein: "Weißt du, es gefällt mir nicht, wie sehr du den Scavengers unter die Arme greifst. Du bist dir vermutlich nicht bewusst, dass dadurch alle anderen Rinderfarmen, wie die der Cornwalls, zu Grunde gehen, weil sie nicht mithalten können?" "Woher weißt du denn, dass ich der Scavenger-Farm helfe? Das geht dich doch eigentlich gar nichts an." "Woher ich es weiß, ist egal. Aber du musst es sein lassen. Durch den Ruin, den alle anderen Farmen dadurch erleiden, schadest du dir finanziell mehr, als dass es dir nützt. Die hohen Steuern der Scavengers decken da nicht viel!" "Lass uns morgen darüber reden, ja, Schatz?"

Am nächsten Morgen war Lisa voller Temperament. Sie überzeugte Winfried, dass es überhaupt nichts brächte, wenn er eine Rinderfarm unterstützte. Nach einiger Zeit sah er dies ein.
Gegen Mittag traf sich Lisa mit Gracey auf dem Zentrum. "Und?" Gracey war richtig neugierig. "Es hat funktioniert. Er hilft euren Nachbarn nicht mehr. Und ich habe herausgefunden, dass es finanziell gesehen nicht so gut um ihn, und damit um Goldfurt, bestellt ist. Er musste sich bereits zweimal Geld von Bataille leihen. Das ist auch der Grund dafür, das er um diesen immer so ein Aufhebens macht. Aber du musst mir versprechen, das niemandem weiterzuerzählen!" Und Gracey versprach in der Kirche alles. Als sie am Nachmittag nach Hause kam und erzählte, das den Scavengers der Geldhahn zugedreht war, brach ein Tumult aus.
"Und das beste kommt ja erst noch!" Ihr Mann war ebenfalls ganz aufgeregt. " Fast alle unserer Kühe haben gekalbt. Wir können wieder schlachten!"
So zufrieden und glücklich mit sich und der Welt waren die beiden und alle Hofangestellten lange nicht mehr gewesen, als sie an diesem Abend einschliefen.

 

Epilog

"Merkwürdig, Winfried von Schallert handelt immer
seltener mit mir.Vor einem Jahr haben unsere Schiffe fast täglich Waren ausgetauscht.
Aber jetzt..." Francois Bataille sprach mit dem freien Händler, als er diesen anlässig
eines großen Handelsabkommens besuchte. "Tja, wenn ihr etwas braucht, scheut euch
nicht davor mich anzusprechen!", rief der Händler, Fergus Flinn. "Ich werde
darauf zurückkommen, ganz bestimmt. Spätestens, wenn meine Tabakplantagen keinen Tabak mehr liefern.
Spätestens dann!", versprach Bataille.

Autor: Christoph K. aus Erwitte-Horn

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