Entwicklertagebuch
Chorproduktion des orchestralen Soundtrack

 

Vorgeschichte

Tilman SillescuAls es darum ging, zu entscheiden, welche Art von Musik sich am besten für das Setting von Anno 1404 eignen könnte, war uns schnell klar, das der Einsatz eines großen Orchesters wie bei den vorangegangenen Teilen diesmal nicht ausreichen würde. Unsere Gedanken gingen dabei in zwei Richtungen. Zum einen benötigte ein großer Teil des Soundtracks einen fernöstlichen Touch, um die Welt des Orients adäquat zu untermalen. Hier war der Einsatz von zusätzlichen exotischen Instrumenten wie Duduk, Saz und Djembes sinnvoll, mit denen wir den Orchesterklang orientalisch einfärben konnten. Für den anderen großen Teil der Anno1404-Welt, den Okzident, suchten wir ebenso nach einem Mittel, dem Orchesterklang eine neue Farbe hinzuzufügen. Nach ein wenig musikhistorischer Recherche entschieden wir uns dafür, Vokalmusik einzusetzen und den Orchesterklang mit einem Chor zu stärken – diesen wollten wir dafür nutzen, der Welt des Okzidents ein religiöses Flair zu geben. Wir sprachen mit den Entwicklern und waren uns schnell einig, dass wir wie schon bei Anno1701 auf „echte“ Musiker setzen wollten statt auf synthetische Samples. Das bedeutete, neben einem großen Orchester und einzelnen Solo-Instrumentalisten auch einen echten Chor aufzunehmen, was für uns natürlich eine ebenso große Herausforderung wie Freude war, denn wir arbeiten grundsätzlich am liebsten mit Musikern zusammen, statt mit Samples Musikinstrumente im stillen Kämmerlein „nachbilden“ zu müssen.


An die Arbeit

Am Beginn einer Musikproduktion steht meistens die Komposition, so auch hier: nachdem wir viel historische Vokalmusik angehört hatten, fanden wir schnell zu unserem musikalischen Konzept. Wir wollten keine rein historische Musik nachkomponieren, sondern die historischen Wurzeln mit dem typischen Anno-Eroberer-Feeling verbinden. So entsteht beim Spielen zwar unterbewusst eine klare emotionale Zuordnung zum neuen 1404-Setting, aber dennoch spürt man jede Sekunde, dass die Musik zu Anno gehört. So etwas kann man natürlich nicht am Reißbrett planen – man muss als Komponist vor allem seinem Gefühl vertrauen, die Screenshots auf sich wirken lassen und auf Inspiration hoffen. Diese kam glücklicherweise recht bald und wir begannen, den gesamten Anno1404-Soundtrack innerhalb von etwa 5 Monaten zu komponieren, darunter etwa 40 Minuten Chormusik. Was die Chorstücke anging, komponierten wir nicht nur die Musik, sondern suchten uns teilweise auch alte historische Texte in lateinischer Sprache heraus, auf die wir dann neue Melodien setzen.


Vorbereitungen für die Aufnahmesession

OrchesterAls die Musik fertig war, musste sie diesmal nicht nur für das Orchester instrumentiert werden, sondern es mussten auch Partituren für den Chor erstellt werden. Diese sendeten wir dann an Orchester und den Chor per Post, damit die Musiker sich für die Aufnahmesession vorbereiten konnten. Als Orchester buchten wir das „Staatsorchester Halle“, singen sollte der 20-köpfige „Philharmonic Choir Leipzig“, der sich aus Sängern des MDR-Rundfunkchors zusammensetzt. Unser Tontechniker Holger Busse von Genuin überzeugte uns davon, dass es vorteilhaft sei, Orchester und Chor getrennt aufzunehmen: so hat man es leichter, einen tollen Gesamt-Mix zu erstellen und die Lautstärke von Chor und Orchester auszubalancieren. Zuerst nahmen wir also die Orchesterklänge im Proberaum des Orchesters in Halle auf - die Aufnahmen wurden wie immer von der Firma „Genuin“ gemacht. Anschließend sendete Holger die fertigen Orchesteraufnahmen zu uns. Jetzt ging es darum, die Orchesteraufnahmen mit einem „Klicktrack“ zu versehen, damit es die Chorsänger leichter haben, zur Orchestermusik ihren Chorpart einzusingen. Wir konstruierten zu jedem Stück einen Einzähler und spielten die Anfangstöne für den Chor in die Aufnahme rein.

Die Choraufnahmen

Am 03.12.2008 fanden dann endlich die herbeigesehnten Choraufnahmen statt. Mein Kollege Axel Rohrbach und ich fuhren zum Aufnahmestudio nach Leipzig. Vor Ort waren bereits unsere Tonmeister (Holger Busse und Christopher Tarnow), die gerade bei den letzten Vorbereitungen waren. Es waren nur noch einige Mikros aufzustellen und wir mussten die Kopfhörer durchtesten. Davon gab es 20 Stück, denn jeder Musiker benötigte einen Kopfhörer, um gut zum Orchesterplayback singen zu können. Die Aufnahmen selbst liefen erwartungsgemäß sehr gut: die Sänger waren fantastisch und gut aufgelegt, so konnten wir uns bald fast ein bisschen entspannen und den Gesang genießen. Innerhalb eines einzigen langen Tages sang der Chor die komplette Chormusik ein – danach rauchten nicht nur deren Köpfe, sondern auch unsere, denn auch Zuhören kann sehr anstrengend sein: man muss wirklich hellwach und sehr konzentriert sein, um das, was man hört, ständig auf Intonationsschwächen, Störgeräusche, Timingschwankungen usw. zu scannen.

Die Post-Produktion

Nach der Recording-Session wurden die Aufnahmen im Studio der Tontechniker von Genuin zusammengeschnitten und wir bekamen die fertigen Stereospuren, die wir dann genau auf die Orchesteraufnahmen anpassen mussten. Zu guter Letzt haben wir die komplette Musik mit Orchester, Chor und exotischen Solo-Instrumenten in unseren Studios gemastert und sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wieder einmal ist ein Soundtrack zu einem Anno-Teil fertig geworden und wieder einmal hoffen wir darauf, dass er zu einem sicherlich tollen Spielerlebnis beitragen wird.

von Tilman Sillescu (Creative Director, Dynamedion)

 

               

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